Nachruf Heiri Vogt

Von Chrigel Hunziker

Ja. Unser erster, Heiri der Erste, verstarb im Alter von knapp 80 Jahren auch aus dem Kreise der Eularius Lapidarier. Er wurde als erster Ordensträger im Jahre 2008 in diesen Stand gehoben. Als Eularius Lapidarius werden Menschen geehrt, die sich in besonders und ehrvoller Weise und der Kompetenz von wider-dem-tierischen-Ernst für die Stadt Winterthur und dessen Ruf in spezieller Weise verdient gemacht haben. Der Tösstaler Heiri Vogt wurde in Rikon geboren und ging auch dort zur Schule. Als gelernter Bäcker zog es ihn schon bald zur den Schweizerischen Bundesbahnen, wo er bis zu seinem Ruf als Stadtrat von Winterthur als Stellwerksbeamter arbeitete. Unter anderem erlernte er seine politischen Kompetenzen als Bahngenossenschafter. Zur damaligen Zeit musste man, wenn man die Weichen richtig stellen wollte, ganz schön Hand anlegen, denn die Weichen wurden vom Stellwärterhaus ohne motorische oder gar elektrische Unterstützung mit geschickt angelegten Seilzugsystemen bewegt. Um aber die grossen Weichen zu stellen, liess sich Heiri als volksnaher Gemeinderat 1986 für die Sozialdemokratische Partei in einer respektablen Kampfwahl in den Stadtrat von Winterthur wählen. Er übernahm das Amt als Bauvorstand von Peter Arbenz und gestaltete es sechzehn Jahre bis zu seinem Rücktritt 2002. Zum Wahlkampf meinte er: «Ich lasse mir deswegen keine grauen Haare wachsen» - welche er zur damaligen Zeit aber bereits auf seinem Kopf trug.

Er hatte die Gabe, komplexe Zusammenhänge mit einfachen Worten zu erläutern und klar doch, dass diese Art zu kommunizieren ihm grosse Achtung verschaffte und ihn zum sehr volksnahen Exekutiv-Politiker machte. Nicht an wenigen Orte glaube ich gehört zu haben, dass ihm «der Willy Ritschard von Winterthur» nachgesagt wurde. Ab und zu kokettierte er auch damit, dass er der «teuerste Stift» der Eulachstadt sei oder mit Aussagen wie «weisst du, das verstehe ich als Stellwerksbeamter nicht so genau, aber es ist so und so…». Er verstand es, mit einer mehr als bildlichen Sprache Komplexes volksnah herunter zu brechen.

Der Familienmensch Heiri liebte auch Kinder. Wenn er etwas erzählte, fanden Kinder gutes Gehör für Heiris Worte. Unter seinen Nachfahren betrieben einige den Hallenradballsport. Ob die unter seiner Ägide gebauten oder renovierten Turnhallen deshalb mit einem Holzboden ausgestattet wurden, welcher besonders für den Radballsport als geeignet galt, ist nicht klar erwiesen.
Der schlagfertige Heiri Vogt schnürte mit seinem sicheren Politgespür über die Parteigrenzen hinaus massgebende Seilschaften. So fanden manche Projekte breite Akzeptanz, die er mit dem damaligen Stadtpräsidenten Martin Haas (FDP), der die direkte Art von Heiri überaus schätzte, oder mit seinem fast verbündeten Stadtratskollegen Leo Iten (SVP) gestaltete. Nicht zu vergessen ist die mehr als gute Zusammenarbeit mit dem Baupolizei-Chef Fridolin Störi, auch Duo Infernale genannt, die bei einigen Projekten alles an gesetzlich Möglichem in Betracht zogen, um ihre Ziele zu erreichen.

In seiner Freizeit unternahm er grosse Wanderungen und Radtouren in seinem Geburtstal, dem Tösstal. Klar war das heimische Kartenspiel, das Jassen, eine Lieblingsbeschäftigung, bei der er mit Ernst Wohlwend, Walter Baumann und Heinz Bächinger immer ein gutes Spiel machte und feine Geschichten zu erzählen wusste.

Das Ergebnis seines Wirkens als Bauvorstand zeigte sich vor allem in den publikumswirksamen Projekten wie Um- und Gestaltung des Grabens, des Neumarktes und der Steinberggasse und die Neubauten Storchenbrücke, Schulhaus Oberseen und Altersheim am Neumarkt. In seiner Amtszeit gestaltete er eine neue Bau- und Zonenordnung. Auch prägte er aktiv die Städtegemeinschaft für Bauvorsteher der Zentren von St. Gallen, Luzern und Schaffhausen zusammentrafen oder das Forum Graz, wo über den Erhalt der Altstädte mit Fussgängerzonen sinniert und Gestaltungsideen abgeleitet wurden.

Wenn Heiri in der Stadt spazierte, fiel auf, wie viele Menschen er kannte, mit denen er per «Du» war und all ihre Namen wusste. Seine heitere und direkte Art war aber nie anbiedernd, sondern zeigte glasklar auf, ich gehöre zu euch. Und er genoss es, im Mittelpunkt zu stehen.

Auch fand man Heiri mit seinem Stadtratskollegen Leo Iten ab und zu zusammen in der Stadt beim gemütlichen Trunk bei dem sie beide den von mir nicht ganz politisch korrekt angebrachten Männerwitz durchaus mit Lachen quittierten.

Wir behalten Heiri Vogt als aktiven, unkonventionellen Politiker und als von Natur aus fröhlichen Mensch und vor allem als aktiven Winterthurer in bester Erinnerung.

Für die Eulari Lapidari

Chrigel Hunziker der Vierte – 10.01.2021